Gelesen: Fantastisches

oder zumindest Fantasievolles.

Für jemanden, der keine Fantasy-Romane mag, habe ich in den letzten Monaten ganz schön viele Fantasy-Romane gelesen. Eigentlich, so muss ich zugeben, habe ich ja auch ein Faible für Fantasy, aber es ist halt ein Genre, in dem man etwa 98% der Werke getrost vergessen kann. Wie eigentlich in jedem anderen Genre auch, weswegen ich mich so ungern auf eins festlegen lasse. Kaum spricht sich herum, dass man beispielsweise Krimis mag, bekommt man dann in den nächsten Jahren immer wieder welche zum Geburtstag geschenkt, die Hälfte davon schlecht (schenkende Menschen machen sich ja Gedanken und daher ist die Quote niedriger als beim zufälligen Griff ins Regal der Buchhandlung), aber vom Rest dann 80% aus einem „falschen“ Unter-Genre – ja ja, so was gibt es. Und bei Fantasyromanen ist das genauso, nur VIEL SCHLIMMER.

Ich habe trotzdem ein paar gelesen und mich mitunter gut unterhalten gefühlt, aber auch meine Trefferquote war eher schlecht – und dabei weiß ich zumindest relativ genau, was ich mag. Die klassische Messlatte für Fantasyliteratur ist für die meisten Leser in Deutschland der Herr der Ringe, aber das ist ein zweischneidiges Schwert. Tolkiens Opus Magnus lebt von seiner Originalität und Detailtreue und ist in Würde gealtert, was ja schließlich einen Klassiker ausmacht, aber ich frage mich, wie die Resonanz wäre, wenn das Buch in jüngster Vergangenheit erschienen wäre. Für Vergleiche taugt es kaum, man käme ja auch nicht auf die Idee, einen heutigen Film an Ben Hur oder Metropolis zu messen.

Also nehme ich als Ausgangspunkt A Song of Ice and Fire von George R. R. Martin. Die inzwischen auf geplante sieben Bände angewachsene Trilogie erscheint seit den frühen 1990er Jahren und spätestens seit der Adaption als HBO, unter dem Titel des ersten Bandes A Game of Thrones, kein Geheimtipp mehr. Eine komplexe Story, gleichzeitig fantastisch und in sich selbst plausibel, glaubwürdige Charaktere und ein flotter Schreibstil sorgen über mehrere tausend Seiten für Spannung. Und, dem Gesetz der Serie folgend, will man immer mehr davon. Ein Aspekt, in dem Martin aber enttäuscht, ist die Schreibgeschwindigkeit. Jahrelang muss man auf die nächste Fortsetzung warten, als ob man nicht mal eben tausend Seiten in sechs Montaen raushauen könnte. Und damit die Zeit nicht so lang wird – naja, sucht man halt etwas Ähnliches.

Mein erster Versuch war eine ziemliche Enttäuschung. Daher habe ich mit dem nächsten auch entsprechend lange gewartet.

The Darkness That Comes Before, von R. Scott Bakker

Dies sollte der erste Band einer Trilogie von Trilogien sein, von denen die erste, The Prince Of Nothing, inzwischen abgeschlossen ist, und war gut genug, mich auch die beiden Fortsetzungen lesen zu lassen. Was mir gefallen hat, war die Charakterisierung der (meisten) Protagonisten, die reich ausgeschmückte Welt mit einer faszinierenden Geschichte und der konsequent düstere Ton der Geschichte. Da traut sich einer was und traut seinen Lesern auch einiges zu. Leider konnten wir beide unsere gegenseitigen Erwartungen nicht bis zum Ende des dritten Bandes erfüllen. Mir war es zu deprimierend, brutal und – muss man auch sagen- langatmig. Denn irgendwann scheint Bakker das Vertrauen in seine Leser verloren zu haben und bringt für die Charakterisierung seines – zugegebenermaßen komplizierten – zentralen Themas dann doch lieber gleich noch mal drei Beispiele mehr, statt es einfach mal gut sein zu lassen. Und das ständige Abschlachten der Unschuldigen ist ja auch in der Realität einer der unangenehmsten Aspekte des Krieges und vielleicht kann man dem Autor hier nicht vorwerfen, einfach nur konsequent zu sein, aber ich möchte mich nicht ständig schlecht fühlen, wenn ich eine gute Geschichte suche.

Noch ist der erste Band der Folge-Trilogie nicht für den Kindle erschienen, daher habe ich noch ein wenig Zeit zu überlegen, ob ich weitermache.

Weiter ging es dann, ein paar Monate später, mit

The Name Of The Wind, von Patrick Rothfuss

Wieder der Beginn einer Trilogie, darunter geht es wohl in diesem Genre nicht. Der dritte Band ist noch nicht erschienen, so dass eine abschließende Bewertung nicht möglich ist, aber meine Güte, was für ein tolles erstes Buch. In seinem Romandebüt beginnt Rothfuss die Geschichte von Kwothe zu erzählen, einem Magier, Musiker und Herzensbrecher ersten Ranges, von seiner Kindheit als Mitglieder einer Schaustellertruppe bis zu seiner Aufnahme an der Universität der arkanen Künste. Ich habe Harry Potter (noch) nicht gelesen, aber einige Rezensenten haben The Kingkiller Chronicle, wie die Trilogie betitelt ist, mit Harry Potter verglichen, nur mit mehr Sex. Im ersten Band passt für mich einfach alles. Wenn Teile etwas überzogen wirken, dann ist das durchaus Absicht, denn Kwothes Leben und die durchaus düstere Hintergrundgeschichte sind einerseits auch eine Reflektion über Legendenbildung und falsches Heldentum, und zum anderen merkt man jeder Episode den Spaß an, den der Autor beim Schreiben gehabt haben muss.

Der zweite Band, The Wise Mans Fear, erzählt Kwothes Leben weiter und bringt sowohl für den Protagonisten, als auch für den Leser einige Änderungen mit sich. In der zweiten hälfte geht ein wenig das Tempo verloren, es bleibt aber ein Buch voll wilder Ideen und toller Episoden. Was als nächstes kommt, kann ich nur raten, aber ich bin gespannt und erwarte Band drei mit der gleichen Spannung wie die nächste Fortsetung von A Song of Ice and Fire – da enden allerdings die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Serien.

Im Sog des Genres probierte ich dann

The Dragonbone Chair, von Tad Williams

Williams ist inzwischen in der Fantasy- und Science Fiction-Szene ein bekannter Name, ich habe vor ein paar Jahren mal ein paar seiner Bücher gelesen (bitte niemandem verraten, ich habe ja einen Ruf zu verlieren), bei diesem Buch handelt es sich um ein Frühwerk, den ersten Band einer – Achtung – Trilogie in vier Bänden (der letzte ist wegen Überlänge in zwei Teile aufgeteilt).

Ich kam auf Empfehlung eines Freundes zu diesem Buch, aber mit der Warnung, man müsse sich durch die ersten hundert Seiten etwas durchkämpfen, die seien etwas zäh. Eine Meinung, die von vielen Rezensenten bei Amazon geteilt wurde. Ich habe es nicht geschafft; nicht weil es zu zäh war, sondern weil sämtliche Andeutungen, was denn nach den ersten hundert Seiten passieren könnte, in Ermangelung jeglicher Subtilität ein buntes Potpourri aus Fantasy-Versatzstücken ankündigten, welches genau das ist, was mich von diesem Genre sonst abschreckt. Da habe ich das Buch weggelegt und erst mal was anderes gelesen.

In meiner Verzweifelung begann ich danach

The Way Of Kings, von Brandon Sanderson

Auf der Suche nach noch mehr Lesefutter bin ich dann hier gelandet, aber nicht so richtig weitergekommen. Ein neues Buch von Louise Welsh kam dazwischen und konnte nicht warten. Denn Thriller lese ich ja genauso ungern wie Fantasyromane.

Mehr also demnächst.

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