Gelesen: Maritimes

Man könnte meinen, ich hätte seit einem halben Jahr kein Buch mehr gelesen. Ganz so ist es nicht, wenn ich auch natürlich nicht mehr so viel Zeit für Bücher habe, wie früher. Abends im Bett schlafe ich regelmäßig nach drei Seiten ein und in der Bahn – ich fahre ja hauptsächlich deshalb nicht mit dem Rad zur Arbeit, damit ich in der Bahn lesen kann – musste bis zum Finale täglich der wunderbare NBA Podcast The Basketball Jones gehört werden.

Ein paar Seiten habe ich aber doch geschafft und bin nur nicht dazu gekommen, darüber zu schreiben, was ich ab heute nachholen möchte. Ich beginne mit zwei ganz besonderen Büchern, die in keinem modernen Haushalt fehlen dürfen.

The Safeguard of The Sea, von N.A.M. Rodger

Bevor Britannia in der Neuzeit die Meere beherrschte, war England auch maritim eher ein Zwerg. Die maritime Geschichte Britanniens von den Anfängen, als es dort noch Königreiche gab, deren Namen wie aus einer Fantasy-Geschichte anmuten – Cumbria, Mercia, Deira und viele, viele andere – über das Zeitalter der Tudors bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges erzählt N.A.M. Rodger im ersten Band seines auf drei Teile angelegten Werkes. Dabei beleuchtet er alle Aspekte vom Schiffsbau, Bewaffnung, Sozialgeschichte von Mannschaften und Offizieren, Strategie, Politik, Operationen, Verwaltung, Versorgung und Logistik. Die (in jeder Hinsicht) vielseitige und detailierte Darstellung bietet nicht nur ein umfassendes Bild von der frühen Entwicklung einer späteren Seemacht, sondern gibt auch interessante Einblicke in die quasi organische Enstehung einer der komplexesten Verwaltungsstrukturen, welche die Welt je gesehen hat und beleuchtet auch das symbiotische Verhältnis von öffentlicher Verwaltung und privaten Interessen im England der frühen Neuzeit. Damit wird das Buch auch für Allgemeinhistoriker empfehlenswert.

Ich freue mich schon auf Teil 2, der  bereits auf dem Nachttisch liegt und der die Zeit bis 1815 behandelt.

Fighting at Sea in the Eighteenth Century: The Art of Sailing Warfare, von Sam Willis

Ein ganz anderes Buch zu einem ähnlichen Thema. Fast forward in die Blütezeit britischer Seeherrschaft vom Spanischen Erbfolgekrieg bis in die Napoleonische Zeit und mit einem viel engeren Fokus. Willis beschäftigt sich mit der Frage, was genau eigentlich passiert, wenn zwei feindliches Segelschiffe aufeinandertreffen: unter welchen Bedingungen es zum Kampf kommt (und wann nicht), wie Kapitäne ihre Entscheidungen trafen und welche Leitlinien ihnen dabei zur Verfügung standen, wie ihre Absichten von der Mannschaft in tatsächliche Aktionen umgestzt wurden (oder nicht) und wieviel komplizierter alles wurde, wenn nicht einzelne Schiffe, sondern ganze Flotten beteiligt waren. Ein tolles, detailiertes, teilweise sehr technisches Buch, das aber wiederum auch dadurch interessant wird, als dass es ein lebendiges Bild von Entscheidungsprozessen in Fragen von Leben und Tod zeichnet in einer Zeit vor der Erfindung von Echtzeitkommuniktaion und Risikoanalyse.

Na gut, beides nicht wirklich Bücher, ohne die man im Alltag nicht leben kann, aber auch empfohlen für Historiker und historisch interessierte Leser, auch wenn diese sich nicht speziell für Marinegeschichte interessieren. Für Marinhistoriker ein absolutes Muss.

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