Ausgelesenes

Um mich nicht in ein paar Monaten selber fragen zu müssen, ob ich dies das und jenes eigentlich schon gelesen habe, muss ich dringend mal wieder einen Lesebericht anfertigen. Unsortiert, ungefiltert und querbeet:

George R.R. Martin – A Dance With Dragons

Nach mehreren Jahren des Wartens war im Mai mit A Dance of Dragons endlich der fünfte Band von A Song of Ice and Fire erschienen, der einzigen Fantasy-Reihe, die ich lese – das dafür aber mit Leidenschaft und Eifer, der schon an Fanboy-tum grenzt.

Zur Vorbereitung habe ich natürlich auch die vier ersten Bände und die drei Novellen gelesen, was die Gesamtseitenzahl auf fast 6.000 bringt – auch ein Grund, warum viele andere Bücher noch ungelesen sind.

In über tausend Seiten ist viel passiert, aber mitunter hatte ich das Gefühl, dass die Handlung nicht so richtig vorangekommen ist. Vielleicht merkt man die jahrelangen Änderungen am Manuskript, vielleicht waren die Erwartungen zu hoch, oder vielleicht irre ich mich auch. A Dance with Dragons stellt aber sicher einen Wendepunkt in der Geschichte dar. Vier Bände lang hat Autor George R. R. Martin Spannung aufgebaut, immer mehr Figuren Handlungsstränge eingeführt, ein immer dichteres Netz gewoben. Auch im diesem fünften Band trifft der Leser auf neue Charaktere, aber das Gefühl, dass es langsam dem Ende entgegen geht, schwingt doch irgendwie mit. Zwei weitere Teile sind angekündigt, die das urprünglich als Triologie angelgete Epos abschließen sollen. Ich kann Band 6 kaum erwarten und hoffe, dass es diesmal nicht so lange dauert.

Elmore Leonard – Bandits

Nach so einem gewaltigen Fantasy-Epos hatte ich Lust auf eine kleine schmutzige Geschichte aus dem Hier und Jetzt, und wie immer bei Elmore Leonard bin ich nicht enttäuscht worden. Das einzige, was mich bei seinen Büchern irritiert ist, dass ich sie nach dem Lesen sofort wieder vergesse – aber das kann ja auch an mir liegen und zum Glück führe ich ja hier Buch. Bandits hat jedenfalls so viel Spaß gemacht, dass ich direkt noch mal nachlegen musste:

Elmore Leonard – Pagan Babies

Eigentlich erwähne ich hier keine Bücher, die ich zum zweiten Mal lese, aber dafür mache ich eine Ausnahme. Ein cooles, kurzes Buch, ideal für unterwegs. Eine dreckige kleine Gangster-Groteske, klug, witzig und cool. Mit Figuren, die selbst mir in Erinnerung bleiben.

Neal Stephenson – Reamde

Klug, witzig und cool wäre auch dieses Buch gerne, das merkt man. Irgendwie klappt es aber nicht, was schade ist, denn Stephenson kann es besser.

Nach Anathem, einem brillianten und durchweg originellen Ausflug ins klassische Science Fiction Genre, erzählt Stephenson in Reamde eine Geschichte über allerlei, was die Welt im frühen 21. Jahrhundert bewegt und verbindet das, wie immer, mit einem seiner Lieblingsthemen: Geld, oder vielmehr Geldfluss.

Nachdem er in früheren Romanen schon digitale Währungen und das Finanz- und Bankensystem der frühen Moderne zum Thema gemacht hat, beschäftigt er sich diesmal mit Gold Farming, dem erschaffen virtueller Werte innerhalb von Multiplayer-Computerspielen. Das ist spannender, als es klingt und auch in der realen Welt ein Wirtschaftszweig, mit dem – legal und illegal – hunderte von Millionen Dollar erwirtschaftet werden. Irgendwie kriegt er es aber nicht hin, das Thema konsequent genug mit der Thrillerhandlung zu verknüpfen, so dass es letztlich unnötiges Beiwerk bleibt.

Das Ergebnis ist unterhaltsam, aber zu lang (etwa die Hälfte seiner über tausend Seiten widmet Stephenson zwei langen Actionszenen) und voll verschwendetem Potential.

Hagen Schulze – Kleine deutsche Geschichte

„Ich habe mehr über die deutsche Geschichte vergessen, als Du je gewusst hast!“ Krasser Angeberspruch, der in meinem Fall zumindest halb wahr ist: ich habe viel über die deutsche Geschichte vergessen. Darum habe ich noch mal die erste Hälfte von Hagen Schulzes kompaktem Überblick gelesen, um zumindest das Wissensgerüst wieder aufzubauen, in dass ich dann die Brocken von Details, die noch vorhanden sind, einhängen kann.

Dafür ist das genau das richtige Buch. Was drin stand, weiß ich aber schon nicht mehr. Ob es was gebracht hat, werde ich wohl erst wissen, wenn ich mit einer konkreten Frage konfrontiert werde.

William Gibson – Neuromancer

Auch hier breche ich noch mal mit meiner Regel, nur Erstgelesenes zu erwähnen. Vielleicht einfach nur um mich zu rechtfertigen: seht, ich habe doch ganz viel gelesen! Neuromancer UND Count Zero UND Mona Lisa Overdrive!

Vielleicht, weil Gibsons Zukunftsvision aus den 80ern (des vergangenen Jahrhunderts, muss man jetzt ja immer dazu schreiben) inzwischen fast Retro-Charme hat, aber dann eben doch nicht, und genau das mich nach wie vor fasziniert und ich das unbedingt mitteilen möchte; wie aktuell seine Ideen noch sind, obwohl der von ihm beschriebene Cyberspace sich komplett anders manifestiert hat.

Vielleicht, weil es total schräge Geschichten mit unvergesslichen Charakteren sind, die man alle zehn Jahre mal wieder besuchen muss, woran ich Euch erinnern möchte.

Vielleicht, weil ein paar von Euch die Bücher noch nicht gelesen haben und dies schleunigst tun sollten.

Vielleicht, um Euch auf eine etwas ausführliche Rezension zu Gibsons Zero History vorzubereiten, die ich demnächst veröffentlichen möchte. Aber dann müsste ich die ja wirklich bald schreiben, also besser aus einem der vorigen Gründe.

One Response to Ausgelesenes

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