Gelesen: Abwärtsspiralen

Der letzte Buchreport ist  fünf Monate her – dazwischen liegen einige Tausend Seiten, die es noch zu kommentieren gilt. Ich fange also lieber mal an.

Richard Price – Ladies‘ Man

In seinem Frühwerk aus den späten Siebzigern des letzten Jahrhundert erzählt Price von Kenny Becker, einem Vertreter für ich weiß nicht mehr was (Kosmetik? Haushaltshelfer?), der erst seine Freundin verlässt, dann seinen Job verliert und schließlich eine Odyssee durchs New Yorker Nachtleben startet; einsam und verloren trifft er an bizarren Orten auf bizarre Menschen. Irgendwann sieht er auch fern.

Das klingt furchtbar langweilig und war es manchmal auch. Vielleicht habe ich das Buch aber auch mit falschen Erwartungen begonnen, schätze ich Richard Price doch vor allem als Autor realitätsnaher Kriminalromane (wobei das eigentlich irreführend ist und Bücher wie Freedom Land, Samaritan oder Clockers nicht annähernd beschreibt), während Ladies‘ Man sich mit dem Thema der Einsamkeit in der Großstadt befasst.

Price zeigt auch hier sein Gespür für Sprache und Umfeld seiner Figuren, welches ihn stets auszeichnet. Wie auch in seinen späteren Büchern sind die Charaktere scharf gezeichnet, ihre Motive und Handlungen realistisch und nachvollziehbar, die Geschichten mitten aus dem Leben gegriffen.

Das Fehlen einer interessanten Handlung und die mangelnde Eignung der Hauptfigur als Sympathieträger dämpften bei mir die Freude aber sehr. Kennys Ausflüge durch Bars, Schwulenclubs, Peep Shows und das nächtliche Fernsehprogramm erscheinen kolportagehaft, sein Selbstmitleid und seine Stimmungsschwankungen, obwohl realistisch dargestellt, ersetzen keine gute Geschichte – und die ist für mich immer das wichtigste.

Nick Cave – The Death of Bunny Munro

Auch Bunny Munro ist Vetreter für Irgendwas (Kosmetik?) und verliert seine Freundin/Frau zu Anfang des Buches. Auch ihm geht es in der folge nicht gut. Aber er hat mehr Sex als Kenny Becker, viel mehr. Auch sonst könnte der zweite Roman der australischen Indie-Musik Legende kaum unterschiedlicher sein. Voller Situationskomik, allerlei Skurrilitäten und bizarren Metaphern begleitet es Bunny auf seinem Abstieg in den Wahnsinn. Schwere Kost, fand ich, auf seine eigene fröhliche Weise noch deprimierender als als Ladies‘ Man.

Sprachlich ist es mir von Stil her zu metaphernhaft, bidlich überladen, dafür aber mit originellem Wortwitz durchsetzt.

Ich schreibe das ungern über Bücher, die ich von lieben Freunden geschenkt bekommen habe, aber wirklich gefallen hat es mir nicht. Vielleicht war ich einfach in der falschen Stimmung.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: