NBA Finale 2011

Selbst nicht-Basketball Fans werden es mitbekommen haben: Dirk Nowitzki (und noch ein paar andere) hat mit den Dallas Mavericks die Meisterschaft gewonnen. Was kommt jetzt – Schalke wird Deutscher Fußballmeister?

Bitte versteht mich nicht falsch, ich freue mich für Dirk, nicht (nur) weil wir aus dem gleichen Land kommen, sondern weil er ein sympathischer Kerl ist und es immer schön ist, wenn jemand für jahrelange überragende Leistung mal mit dem ersehnten Erfolg belohnt wird. Und für einen Basketballer gibt es wohl nichts tolleres, als einen NBA Championship Ring zu gewinnen. Aber überrascht bin ich. Die Mavs waren in den letzten Jahren immer ein gutes Team, aber die Sportgeschichte ist voll von herausragenden Spielern und guten Teams, die nie etwas gewonnen haben. Und Dallas hatte guten Leistungen in der regulären Spielzeit immer einen desolaten Einbruch in den Playoffs entgegenzusetzen. Wenn es um alles ging, versagten oft die Nerven oder sie wurden einfach vom Glück verlassen. So wie Schalke oder Vizekusen.

Glückwunsch, jedenfalls.

Das heißt aber auch, dass die Chicago Bulls nicht Meister geworden sind, kann ja schließlich immer nur einer. In den Conference Finals (sprich Halbfinale) war Schluss, die Miami Heat erwiesen sich als zu stark. Die  zweieinhalb Superstars Lebron James, Dywane Wade, Chris Bosh und ihre Helfer schlugen die Bulls mit deren eigenen Mitteln: guter Team Defense und Rebounding. Wenn immer es gelang, Derrick Rose kaltzustellen, blieb für die Bulls keine verlässliche zweite Option im Angriff und oft genug fehlte auch einfach ein Plan, um Rose zu entlasten und die Abwehr anderweitig zu beschäftigen. Zu oft blieb der Ball in Roses Hand irgendwo außerhalb der Zone und am Ende gab es einen Wurf aus schlechter Position mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr.

Eine lange, meinungsgetränkte und mitunter unterhaltsame Analyse gibt es bei Shamsports.

Ich bin trotzdem nicht unzufrieden. Die beste Bilanz in der regulären Saison, zwei zeitweilig hart umkämpfte Playoffrunden, wenigstens ein schönes Spiel gegen Miami, MVP für Derrick Rose, Coach of the Year für Tom Thibodeau – und das hier:

Im Prinzip eine gute Saison, halt nicht vom Titelgewinn gekrönt. Im Rückblick aber auch nicht verwunderlich. Oft hatte ich den Eindruck, als würde das Team über seinen eigentlichen Möglichkeiten spielen und die Probleme im Angriff waren auch schon vor den Playoffs sichtbar. Nun gewinnt auch beim Basketball ja immer der, der mehr Punkte erzielt als der Gegner und das ging für die Bulls auf, solange die Kontrahenten sich – meist vergeblich – darauf konzentrierten, die solide Abwehr zu überwinden und sich darauf zu verlassen, dass die offensiv limitierten Bulls vorne weniger Punkte holen als sie hinten zulassen. Wann immer ein Team ein Mittel fand, die Offensive der Bulls weiter zu beschränken, kam Chicago in Schwierigkeiten weil das Verhältnis kippte. Und die Playoffs sind halt die Zeit, in der typischerweise alle ihre Verteidigungsbemühungen noch einmal verstärken. Eine alte Weisheit lautet: „Offense wins games, defense wins championships.“ Wer wie die Bulls schon nur durch starke Abwehrleistung seine Spiele gewinnt wird es schwer haben, Teams zu schlagen, die sich das zu Herzen nehmen.

Jetzt gilt es zu hoffen, dass die nächste Saison nicht ausfällt – das Collective Bargaining Agreemnet (CBA), der Tarifvertrag zwischen Liga und Spielern, wird neu verhandelt – hart und mit offenem Ausgang. Noch drohen die Besitzer der Teams nicht offen mit Aussperrungen, aber der Begriff „Lockout“ schwebt über den Verhandlungen wie ein Damoklesschwert.

Vorher kann ich aber noch ALBA die Daumen drücken: Samstag steht das entscheidende fünfte Finale in Bamberg an.

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