Gelesen: heute gleich vier

Nein, nicht alle an einem Tag.

Der geneigte Blog-Leser mag den Eindruck bekommen haben, dass der Autor gar nicht mehr zum Bücherlesen kommt, die Vermutung liegt ja auch nahe, wenn hier so viel über Basketball geschrieben wird. Aber weit gefehlt! Auf meinem Nachttisch stapeln sich jetzt neben ungelesen Büchern auch bereits gelesene, die noch vorgestellt werden müssen. Freizeitstress pur!

Keines der heute vorgestellten Bücher kommt übrigens mit einer Empfehlung von Stephen King.

Christopher Clark – Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947

Der Name „Preußen“ ist aus der politischen Wirklichkeit verschwunden, polarisiert aber zumindest die Deutschen noch immer wie nur wenige geographische Begriffe. Vielleicht nicht so sehr wie Israel“, aber auch nicht weniger als „Amerika“. Für die einen ist Preußen Hort des aggressiven Militarismus, Heimat des konservativen Junkertums, Keimzelle deutscher Großmachtsphantasien. Andere betonen die Rolle Preußens und seiner Bürger in der Aufklärung und seine Bedeutung für die deutschen Einheit.

Wie das eine mit dem anderen zusammenhängt zeigt der australisch-britische Historiker Christopher Clark in seiner Abhandlung der 350-jährigen Geschichte eines Staates, der aus bescheidenen Anfängen zu einer europäischen Großmacht heranwuchs, in Deutschland aufging und schließlich völlig von der Landkarte verschwand. Diese Betrachtung ist, das liegt wohl in der Natur solcher Universalgeschichten, recht traditionell angelegt und konzentriert sich auf die politische und Geistesgeschichte Preußens. Auch wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte finden Erwähnung, dabei bekommt hier das Thema der Religion recht großen Raum eingeräumt.

Das Ergebnis ist umfassend, informativ, interessant und gut zu lesen. Was kann man von einem Geschichtsbuch mehr erwarten?

Eine ausführliche Rezension findet sich bei Sehpunkte.de

Greg Rucka – Walking Dead

Ganz was anderes. Mal wieder ein Thriller. Eigentlich lese ich ja keine, ist aber irgendwie der Dritte, seitdem ich hier Bücher vorstelle. Also eigentlich lese ich ja doch gerne Thriller, aber möchte mich nicht so auf das Genre festlegen lassen, nicht zuletzt, weil ich sonst zum nächsten Geburtstag  einen ganzen Stapel Thriller geschenkt bekomme und, wie in allen anderen Genres, sind 95% eben  totaler Schrott. Ich lese eben gerne gute Bücher.

Ist Walking Dead ein gutes Buch? Eigentlich nicht. Es ist der bislang siebte Band einer Serie über den (inzwischen ehemaligen) professionellen Bodyguard Atticus Kodiak. Normalerweise ist das die Art von Buch, um die ich einen weiten Bogen mache, aus gutem Grund. Ich könnte behaupten, dass in einem Meer minderwertiger Thriller-Serien die Kodiak-Romane von Greg Rucka versteckte Perlen sind, aber so richtig stimmt das auch nicht. Sie sind ok und befriedigen all diejenigen Bedürfnisse, die mich dazu bringen, ab und zu doch mal wieder einen Thriller lesen zu wollen.

Kodiak ist ein ausreichend origineller Protagonist, aber ohne konstruierten Spleen, die stark Action-lastige Handlung bringt einen in hohem Tempo durch eine angemessene Zahl von Seiten. Und Rucka hat schon an anderer Stelle bewiesen, dass er sein Handwerk versteht. Überhaupt bin ich zu den Kodiak-Büchern nur gekommen, um die Wartezeit auf eine Fortsetzung von Queen & Country zu überbrücken. Diesen Dienst haben sie  stets gut erfüllt und auch den siebten Band habe ich gespannt erwartet, ihn ein halbes Jahr im voraus bestellt und dann binnen kurzer Zeit durchgelesen. Leider war er einer der schwächeren der Reihe; der Autor strickt um das aktuelle und traurige Thema Menschenhandel eine Geschichte, die zu sehr aus Versatzstücken seiner früheren Arbeit besteht, um positiv hervorzustechen. Trotzdem freue ich mich schon auf die Fortsetzung. Ein Buch zum Weiterempfehlen ist es aber nicht.

Paul Auster – Invisible

Das hier habe ich zum Geburtstag bekommen. Ein gut gewähltes Geschenk, denn wer meinen komplizierten Büchergeschmack kennt, könnte ich der Tat darauf kommen, dass ich Paul Auster mag. Leider ist mein Büchergeschmack eben wirklich kompliziert und ich bin eben kein Fan von Auster. Vor allem die New York Trilogie hat mich ziemlich kalt gelassen. Trotzdem habe ich Invisible natürlich eine Chance gegeben und bin absolut positiv überrascht worden: Figuren, die einen emotional ansprechen, eine clevere Geschichte, die aber nicht zu konstruiert daherkommt, eine solide Struktur, gutes Tempo und stilistisch/sprachlich schön. Viel passiert nicht, aber Auster spielt seine Stärken so gekonnt aus und vermeidet alles, was ich bisher als seine Schwächen betrachtet habe, und macht Invisible damit zu einem Buch, das man mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann an Leute, bei denen man den Eindruck hat, sie könnten Paul Auster mögen. Mir hat es gefallen. 

Greg Rucka – The Last Run

Pfft, schon wieder so ein Thriller. Mag ich ja gar nicht. Diesen hier habe ich eigentlich nur gelesen, weil ich mich etwa drei Jahre lang drauf gefreut und ihn vor acht Monaten vorbestellt habe. Spionage, so was lächerliches, interessiert doch keinen, mich schon gar nicht. Falls ihr aber doch auf so etwas steht, möchte ich nichts mehr mit Euch zu tun haben (unter meinem Niveau) und Euch gleichzeitig die gesamte Queen & Country Reihe von Greg Rucka wärmstens ans Herz legen. Ja ja, das ist eine Comic-Reihe, aber doch mit Abstand die beste Thrillerserie, die ich kenne. Und ein paar Romane gibt es eben auch, deren neuester eben The Last Run ist.

Dieses Buch einzeln zu empfehlen wäre unsinnig, fangt vorne an und arbeitet Euch bis hierhin durch. Das geht schnell, denn einmal angefangen kann man nicht mehr aufhören. Es ist weniger die Action, von der es gerade in den Comics eigentlich nicht viel gibt, es sind die dichte Atmosphäre (Verrat, Misstrauen, Einsamkeit) und die durchweg gelungene Charakterisierung der Protagonisten.

The Last Run ist unter den drei Romanen vielleicht der schwächste – weil er zu kurz ist und die zu erwartende Dauer bis zur Fortsetzung zu lang.  

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: